Adalbert Stifter: Die Narrenburg
Adalbert Stifters Novelle von 1842 erzählt die eigenwillige Geschichte des Fideikommisses Rothenstein. Designierte Erben der Burganlage müssen hier ihre eigene Lebensgeschichte niederschreiben und die ihrer Vorfahren lesen – eine Vorkehrung des Stifters, die eigentlich angedacht war, „Narrheiten“ seiner Nachfahren zu verhindern, letztlich aber das genaue Gegenteil bewirkt.
Davon zeugen auch die exzentrischen Bauwerke innerhalb der Anlage und die drohende Auslöschung der Erblinie der Familie Scharnast. Als der letzte Bewohner stirbt, verfällt der Rothenstein zur Ruine. Der junge Naturforscher Heinrich, unverhofft zum neuen Erben geworden, steht vor der Aufgabe, inmitten dieser korrumpierten Ordnung eine neue Stabilität zu schaffen. Stifters Text zeigt dabei die doppelte Kraft des Erzählens auf: Es kann Stabilität schaffen, aber auch zerstörerisches Potenzial entfalten.