Packt die Bücher aus!

Liebe Buchbranche, Buchmenschen, alle die beinahe täglich mit wunderbaren Geschichten, Ideen, Manifesten zu tun haben… lasst uns die Bücher auspacken.

Endlich ist es soweit, die Zero-Waste-Bewegung gewinnt zunehmend an Fahrt, Kunden lehnen Plastiktüten ab, Unverpackt-Läden sprießen wie wunderbare, nostalgische Blumen aus dem Boden und bringen Tante Emma zurück. Und wie sieht es im Buchhandel aus? Vermutlich gar nicht so schlecht würde man denken, denn Taschenbücher, Pappbilderbücher, die meisten Kinderbücher kommen doch ganz gut ohne lästige Plastikummantelung daher, aber… wie sieht es bei Neuerscheinungen, Kochbüchern, Bildbänden und natürlich NonBooks aus? Hier fällt die Bilanz schon deutlich schlechter aus. Versteht mich nicht falsch, auch ich bin ein ‚Buchschützer‘ und möchte, dass den kleinen und großen Werken kein Schaden angetan wird; auch ich kenne die Frage vieler Kunden: „Haben Sie das auch noch eingepackt bzw. neu?“, doch brauchen wir dafür wirklich so viel Plastik? Oder reicht es wenn wir unseren Kunden klarmachen, dass die Ware nie eingeschweißt zu uns gelangt,… wenn diese das tun würde?

Auch ich weiß es gibt gute und schlechte Verpackung, auf vielen Folien ist der Grüne Punkt und ein Hinweis ‚recyclingfähig‘, doch was bedeutet das? Etwa , dass ich das ohne schlechtes Gewissen wegwerfen kann? Nein. Es ist recyclingFÄHIG, muss aber nicht, denn es landet wie sämtlicher Plastikmüll in der Tonne. Selbstverständlich wird bei uns in Deutschland so vorbildlich getrennt und recycled wie kaum woanders, doch das bedeutet nicht, dass wir dazu berechtigt sind mehr und mehr Müll zu produzieren.

„Jeder Deutsche produziert durchschnittlich 37kg Plastikmüll pro Jahr. […] Mit 11,7 Tonnen verbraucht Deutschland so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa“ (https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten/)

Ein großes Paradox für mich ist, dass wir Buchmenschen wunderbare Bücher über Müllvermeidung und  Nachhaltige Lebensweisen in den Regalen stehen haben, die aber – ja, tatsächlich – zum Teil ebenfalls in Plastik eingeschweißt sind. Das Kochbuch auch 100% Apfelpapier für vegane und vegetarische Rezepte und ein bewusstes Leben… in Plastik. Das Buch auf dem steht ‚klimaneutral‘ produziert – auch die Folie? Muss das denn sein? Ich lasse mich gerne von guten Argumenten überzeugen, wenn das wirklich nötig ist…momentan halte ich es aber für überflüssig.

Ein weiterer Stich für mein unverpacktes Herz sind NonBooks. Wunderbarer Schnickschnack aus Porzellan, Holz, Papier…verpackt in Unmengen von Plastik. Beispiel? Ein Magnet selbstverständlich eingepackt, fünf eingepackte Magnete in einer weiteren Plastikverpackung. Auch ich weiß, dass das lean ist und für möglichst schnelle, reibungslose Abläufe sorgt, aber könnte man sich hier nicht einen Verpackungsprozess sparen…das wäre doch auch wieder schneller mehr…

Lasst uns also die Bücher auspacken und gerne auch den Schnickschnack soweit es geht. Wenn man das mit Lebensmittel und Kosmetik kann, sollten doch auch wir das hinbekommen.

Was meint ihr?